Nicht gesund: Projektsalat

Im Zusammenhang mit problematischen Großprojekten diskutiert die Projektmanagement-Community gerne, inwieweit unzureichende Projektmanagement-Kompetenz des Auftraggebers als Ursache infrage kommt. Wie verhält sich diese Kompetenz zur Bauherrenkompetenz?

Bauherrenkompetenz meint vor allem die Kompetenz, ein Bauprojekt übergeordnet leiten zu können. Diese Leitung ist in das Bauprojekt hinein gerichtet und technischer, wirtschaftlicher, organisatorischer und rechtlicher Natur. Sie wird von einem (Bau-)Projektleiter wahrgenommen, der sein Projekt in der Rolle eines “Geschäftsführers auf Zeit” leitet. Im Projekt selbst erledigen dann Architekten und Ingenieure das eigentliche Projektmanagement, das zu ihren Kernkompetenzen zählt. Schließlich waren und sind Bauprojekte – der Name sagt es bereits – per definitionem immer Projekte.

Darüber hinausgehende Projektmanagement-Kompetenz-Anforderungen beziehen sich auf große Auftraggeber-Organisationen und weisen in die entgegengesetzte Richtung, nämlich in die Organisation hinein. Dort gilt es, die unterschiedlichen, meist auch widersprüchlichen Interessenslagen insbesondere zu Projektbeginn wirksam auf ein gemeinsames Ziel hin auszurichten, Bedarfe abzuleiten, notwendige Entscheidungen herbeizuführen und schließlich als Bestellung an das Projekt zu übergeben. Das zielgerichtete Management dieser Bestellung auch über die gesamte Projektlaufzeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Bauprojekte und zugleich eine anspruchsvolle Projektmanagement-Aufgabe.

Projektmanagement-Kompetenz desjenigen Projektleiters, der die Bestellung managed, ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere sind Zustand und Reife der Organisation in Bezug auf Projektmanagement. Selbst der beste Projektmanager wird nicht abschließend erfolgreich sein können, wenn die Organisation Projektmanagement nicht richtig beherrscht. Dann entsteht nämlich schnell teurer „Projektsalat“, wie es Peter Brix nennt. Seine Checkliste „Soforthilfe für schräge Projekte und Projektsalat“ erlaubt Organisationen mit kleinem Aufwand eine grobe Positionsbestimmung in sechs wesentlichen Projektmanagement-Dimensionen. Die augenzwinkernden Formulierungen machen es dabei leichter, mit sich selbst ehrlich zu sein – probieren Sie es einmal aus!

abgebildet mit freundlicher Genehmigung von Peter Brix