Beiträge

Von Tesla Bauen lernen?

Im Handelsblatt vom 02.10.2020 wird Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Worten zitiert, es freue sie, „… dass Brandenburg mit Tesla zeigt, wie man mit unseren Gesetzen und Fördermöglichkeiten auch in kurzer Zeit Dinge durchsetzen kann.“ Vor dem Hintergrund prominent gescheiterter Bauvorhaben auch aus der näheren Nachbarschaft ist diese Aussage zwar nicht zu beanstanden, mindestens gleichberechtigt sollte sie aber auch lauten: was man trotz unseren Gesetzen durchsetzen kann.

Tatsächlich können wir von Tesla lernen, und zwar in den Bereichen Übernahme von Verantwortung, Treffen von Entscheidungen und ihrer konsequenten Umsetzung. Das schließt die Bereitschaft zur Übernahme kalkulierbarer Risiken mit ein, was etwa den Baustart vor dem Vorliegen einer abschließenden Baugenehmigung betrifft. Brandenburg scheint hier schon von Tesla gelernt zu haben, wie unter verantwortungsvollem Ermessen Wege freigemacht werden können, die formal mit Steinen geradezu überschüttet sind. Das wirft die Frage auf, inwieweit die Notwendigkeit von Sonderwegen nicht zugleich zum Anerkenntnis führen sollte, dass die Hauptwege über die Jahre zu Irrwegen geworden, und grundlegend neu zu trassieren sind. .weiterlesen ...

Behinderungsgrund: Corona

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) hat mit Erlass vom 23.03.2020 Vorgaben gemacht, wie auf den Baustellen des Bundes mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie umzugehen ist. Der Erlass entfaltet zwar keine bindende Wirkung für die Privatwirtschaft, kann aber auch dort Orientierung geben.

Grundsätzlich sollen Baustellen weiter betrieben werden, solange es keine ausdrücklichen Verbote gibt, die dem entgegenstehen. Die Sicherstellung des Gesundheitsschutzes der dort tätigen Personen obliegt dem Sicherheits- und Gesundheitskoordinator. .weiterlesen ...

Corona – verstehen, was zu tun ist

Sieht man einmal von den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen ab, die vom Corona-Virus auf unsere Bauprojekte ausgehen werden, hat dieser Beitrag eigentlich gar nichts auf dieser Website zu suchen. Andererseits liegt es in der Sachverständigen-DNA, auch komplizierteste Sachverhalte so erklärt haben zu wollen, dass die Zielgruppe sie verstehen kann.

Hier tun sich aus meiner Sicht aktuell zwei Video-Beiträge so deutlich hervor, dass sie zur Untermauerung der gestrigen Worte der Kanzlerin eigentlich auf den Titeln und Startseiten aller Medien dauerpräsent sein müssten: .weiterlesen ...

Gericht muss Privatgutachten berücksichtigen

Das Gebot rechtlichen Gehörs verpflichtet das Gericht, die Ausführungen der Prozessbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu ziehen. Geht das Gericht in seinen Entscheidungsgründen auf den wesentlichen Kern des Tatsachenvortrags einer Partei zu einer Frage nicht ein, die für das Verfahren von zentraler Bedeutung ist, lässt dies auf die Nichtberücksichtigung des Vortrags schließen, sofern er nicht nach dem Rechtsstandpunkt des Gerichts unerheblich oder aber offensichtlich unsubstantiiert war. .weiterlesen ...

Spiele stehen und fallen mit ihren Regeln – genau wie das Bauen

Der selbstbewusste und mutige Umgang mit steigenden Komplexitäten in unseren Projekten bildet den Schwerpunkt meines Beitrages zur Festschrift anlässlich des 65. Geburtstages von Prof. Klaus Eschenbruch. Wenngleich augenzwinkernd dargelegt, plädiere ich dafür, dem kontinuierlichen Komplexitätswachstum – und damit der Anzahl der Projektbeteiligten – Einhalt zu gebieten und verantwortungsvoll zu entscheiden, auf welche zusätzlichen Regeln künftig im Sinne des Projekterfolges besser verzichtet werden sollte.

Die Beibehaltung aussagekräftiger Projektbeteiligtenlisten trotz DSGVO ist ein schönes Beispiel dafür, dass grundsätzlich sowohl von der Notwendigkeit, als auch der Bereitschaft ausgegangen werden kann, angemessene Regelübertretungen im Sinne erfolgreicher Projekte zu riskieren.

Good Morning Lean! A wakeup call.

Auf Einladung des VDI-Verlags habe ich in der Jahresausgabe 2018/2019 Bautechnik der Zeitschrift “Bauingenieur” einen Beitrag zum Thema Lean Construction verfasst. Dabei habe ich deutlich vor überzogenen Erwartungen gewarnt:

Lean Construction ist insbesondere kein Projektverstärker, der wie eine schmackhafte Sauce schlecht laufende Projekte verfeinern, und ihre Performance verbessern kann. Lean Management ist eher – um im Bild zu bleiben – eine fein abgeschmeckte Rezeptur aus Kompetenz, Zusammenarbeit, Methoden, gesundem Menschenverstand, Vertrauen, Kultur, Mut, Ehrlichkeit, Change – und vor allem: aufrichtigem Wollen und entschlossenem Handeln.

Lean ist keine Raketenwissenschaft, sondern setzt vielmehr auf die Wiedererweckung des Verständnisses für kluges, sinnvolles, intelligentes und effizientes Handeln aller Beteiligten. Dabei geht es darum, Dinge, von denen man etwas versteht, möglichst einfach und zugleich richtig und gut zu machen. Lean-Methoden können insoweit Anregung bieten, eigenes Handeln zu reflektieren und zu verbessern. Lean ist aber sicherlich keine neue Leistung und insbesondere kein Turbo-Booster, der auf bestehende Organisationen oder Projekte aufgepfropft werden kann.

Ausdrücklich zu warnen ist insoweit vor den Gefahren, die von aktuellen Lean-Management-Modellen ausgehen können, wenn Lean-Berater in etablierte Verantwortlichkeiten von Planern oder bauausführende Firmen einzugreifen sollen. Kurzfristig führt das zu einer Diffusion und Verwischung von Verantwortlichkeiten, mittel- und langfristig kann dies Strukturveränderungen bewirken, wie einstmals die Herauslösung von Projektsteuerungsaufgaben aus der ursprünglich ganzheitlichen Wahrnehmung der Bauherreninteressen durch den Architekten.

Echte Bau-Kompetenz erscheint hier klar der bessere Weg. Bauherren, Lehre, Büros und Betriebe: Aufwachen! Es gibt viel zu tun!

Der vollständige Beitrag kann hier abgerufen werden.

Doppelpass für bessere Projekte

Das 2014 in 4. überarbeiteter Auflage erschienene AHO-Heft 9 ist sozusagen die aktuelle “Bibel” für die zuverlässige Organisation der “inneren Mechanik” von großen Projekten. Für die Projektstufen 1-5 enthält es Leistungsbilder von der Projektvorbereitung über die Planung, die Ausführungsvorbereitung, die Ausführung bis hin zum Projektabschluss. Damit bietet es eine erprobte und anerkannte Methodik i. W. für überschaubare und klar definierte (Groß-) Projekte in beherrschbaren Umfeldern.

Anfang dieses Jahres in zweiter, völlig überarbeiteter Auflage erschienen, schließt AHO-Heft 19 sozusagen die Lücke zu weniger klar definierten (Multi-) Projekten in schwierigen Umfeldern. Dabei bietet es standardisierte Leistungsbilder in den Bereichen

  • Projektentwicklung Neubau/Bestand
  • Projektsteuerung von Städtebaulichen Leistungen
  • Stakeholdermanagement
  • Multiprojektmanagement (MPM)
  • Risikomanagement
  • Projektcontrolling – für Anteilseigner/Investoren und deren Aufsichtsgremien
  • Value Engineering
  • Inbetriebnahmemanagement
  • Technisches Inbetriebnahmemanagement in Anlehnung an VDI 6039
  • Projektmanagement bei Infrastrukturvorhaben
  • Nutzerprojektmanagement
  • Leistungen der Mieterkoordination bei Handelsimmobilien
  • .weiterlesen ...

    Konfliktmanagement in AHO Heft 37 neu geregelt

    Rechtzeitig zum 8. Kongress “Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft” am 16.03.2018 in Berlin ist im Bundesanzeiger Verlag das gleichnamig Heft neu erschienen. Damit wird der in Bau-Fachkreisen seit Jahren bestehenden Unzufriedenheit über die gerichtlichen Möglichkeiten der Beilegung von Streitigkeiten auch normativ ein Lösungsweg angeboten, bei dem Juristen und Techniker gemeinsam und auf Augenhöhe zu einer schnellen und kostengünstigen Befriedung von Konflikten beitragen können.

    In meiner eigenen gerichtlichen Praxis habe ich mich immer wieder fragen müssen, weshalb der eine oder andere Fall angesichts der überaus klaren Sachlage überhaupt vor Gericht landen konnte. Diesen Aspekt hat Herr Prof. Diederichs gleichermaßen in der Vorstellung des AHO-Hefts 37 wie auch in dessen Vorwort nochmals aus einer ganz anderen Perspektive beleuchtet:

    “Weiterhin ist zu fragen, ob dem verantwortlichen Vertreter einer Klagepartei in Bausachen nicht ein Organisationsverschulden vorzuwerfen ist, wenn er mit seiner Partei zur Klärung einer Streitigkeit den gerichtlichen Klageweg beschreitet. Angesichts der [..] Effizienzvorteile [außergerichtlicher Streibeilegungsverfahren] kommt eine Schadensersatzpflicht gegenüber seiner Partei nach § 823 BGB in Betracht. Ferner ist zu fragen, ob nicht auch der anwaltliche Vertreter eines Klägers in Bausachen gegen seine allgemeine Berufspflicht nach §§ 43 und 43a BRAO verstößt, wenn er dem Kläger nicht nachweislich dringend empfiehlt, eine außergerichtliche Konfliktlösung zu suchen und den gerichtlichen Klageweg nur als ultima ratio zu wählen.” .weiterlesen ...

    BIM zu Ende gedacht

    Modelle oder Zeichnungen, statische oder dynamische Visualisierungen, offline oder in Echtzeit gerechnet, sind im Bauwesen nichts Neues. Meist werden sie für Marketing-Zwecke erstellt, auch zur Vorbereitung schwieriger Entscheidungen sind sie ein wertvolles Hilfsmittel. Was früher der Modellbauer war, ist heute der Modellierer.

    Er ermöglicht es, ein geplantes Gebäude schon einmal von innen anzusehen, einen Blick hinter die Abhang-Decke zu werfen oder die Nutzbarkeit von Räumen anhand von Möblierungs-Alternativen zu prüfen. Dank hochentwickelter Gaming-Hardware ist das heute bereits mit überschaubarem Ausstattungs-Aufwand live und als Echtzeit-Simulation möglich. Eine Monitor-Maske überträgt jede Kopfbewegung fließend in die entsprechende Blickperspektive, so daß sich der Besucher ganz natürlich „umschauen“ kann. Zum „herumlaufen“ genügt es, das Zeigegerät in die gewünschte Richtung zu halten, und schon geht’s los in der virtuellen Realität (VR).

    Gestern wie heute waren Visualisierungen Momentaufnahmen ihres Erstellungszeitpunkts. Während die Grafiker noch visualisiert haben, schritt die Planung schon fort. Dadurch sind Visualisierungen nie aktuell, jede Aktualisierung verursacht einen hohen Aufwand. BIM bietet jetzt das Potential, Visualisierungen schneller und mit geringerem Aufwand aus den Modellen zu generieren. Schon heute lassen sich 3D-CAD-Konstruktionen und BIM-Modelle in Visualisierungslösungen einlesen. Allerdings erfordert das immer noch einiges an Nachbereitungsaufwand. Das liegt zum einen an fehlenden Standards, aber auch an der handwerklichen Qualität von BIM-Modellen.

    Saubere 3D-Modellierung mit passenden Anschlüssen erfordert Können, Disziplin und entsprechende Überwachung aller am Modellierungsprozess Beteiligten. Während BIM-Koordinatoren für die Qualität des Modells sorgen, definiert der BIM-Manager die einzuhaltenden Anforderungen und Standards. Dabei sollte er frühzeitig prüfen, ob die Visualisierungs-Anforderungen nicht Bestandteil des projektspezifischen BIM-Prozesses werden können. Wenn es gelingt, VR-Visualisierungen in den Planungsprozess zu integrieren, anstatt sie abschnittsweise nur mitlaufen zu lassen, wäre dies ein weiteres dickes Plus für BIM.