Faire (Markt-)Preise für Nachträge

Werden Bauleistungen über Ausschreibungen vergeben, ist der Vertragspreis unter Wettbewerbsbedingungen zustande gekommen. Diese gute Gewißheit endet spätestens beim ersten Nachtragsangebot, für das der Auftragnehmer eben nicht mehr an Wettbewerbsbedingungen gebunden ist: Wenn die hinzukommende Leistung etwa umgehend im Zuge der laufenden Arbeiten erbracht werden soll und keine Zeit für die Einholung von Alternativangeboten ist, oder wenn die Ausführung so eng in den Haupt-Produktionsprozess eingebunden ist, dass sie ohnehin nicht wirtschaftlich von einem Dritten erbracht werden kann, gibt es nur noch wenig Anreize für den Auftragnehmer, echte (faire) Marktpreise anzubieten. Bei Nachträgen endet der Wettbewerb, weshalb sie auch so unbeliebt sind. .weiterlesen ...

Komplexe Projekte besser initiieren

Viele Projekt-Schieflagen haben ihre Ursache in unzureichender Projektinitiierung: Das Projekt wurde zu schnell und gestartet und ist dann während seines Entstehens so geworden, wie es dann eben wurde. Die Gründe hierfür sind vielfältig und haben vor allem immer wieder mit einem zu tun: Dem Faktor Mensch.

Der Aufgabenvielfalt der Projektinitiierung mit ihrem hohen Vernetzungsgrad begegnet der im Fraunhofer IRB Verlag erschienene Handlungsleitfaden Initiierung mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Handlungsfeldern, darauf anwendbaren Methoden und dem Bewusstsein für das “Risiko Mensch”. Dadurch schafft der Leitfaden vor allem ein besseres Verständnis für die Bedeutung einer guten Projekt-Initiierung aus einer übergeordneten, eher strategisch angelegten Perspektive, ohne dabei mit den einschlägigen operativen Projektmanagement-Methoden in Konflikt zu geraten. .weiterlesen ...

Von Tesla Bauen lernen?

Im Handelsblatt vom 02.10.2020 wird Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Worten zitiert, es freue sie, „… dass Brandenburg mit Tesla zeigt, wie man mit unseren Gesetzen und Fördermöglichkeiten auch in kurzer Zeit Dinge durchsetzen kann.“ Vor dem Hintergrund prominent gescheiterter Bauvorhaben auch aus der näheren Nachbarschaft ist diese Aussage zwar nicht zu beanstanden, mindestens gleichberechtigt sollte sie aber auch lauten: was man trotz unseren Gesetzen durchsetzen kann.

Tatsächlich können wir von Tesla lernen, und zwar in den Bereichen Übernahme von Verantwortung, Treffen von Entscheidungen und ihrer konsequenten Umsetzung. Das schließt die Bereitschaft zur Übernahme kalkulierbarer Risiken mit ein, was etwa den Baustart vor dem Vorliegen einer abschließenden Baugenehmigung betrifft. Brandenburg scheint hier schon von Tesla gelernt zu haben, wie unter verantwortungsvollem Ermessen Wege freigemacht werden können, die formal mit Steinen geradezu überschüttet sind. Das wirft die Frage auf, inwieweit die Notwendigkeit von Sonderwegen nicht zugleich zum Anerkenntnis führen sollte, dass die Hauptwege über die Jahre zu Irrwegen geworden, und grundlegend neu zu trassieren sind. .weiterlesen ...

Standardwerk für Bauprojektmanagement neu erschienen

Das erstmals 1996 erschienene AHO Heft 9 stelle den kontinuierlich weiterentwickelten “Body of Knowledge” im deutschen Bauprojektmanagement dar, so Prof. Norbert Preuss, Leiter der AHO-Fachkommission Projektsteuerung/Projektmanagement, anlässlich der Präsentation der 5. Auflage im Rahmen der Kapellmann Akademie. Diese im März 2020 erschienene Überarbeitung enthält wieder viele Verbesserungen und Anpassungen der Vor-Version aus 2014, die im Detail hier nachzulesen sind.

Neben der verbesserten inhaltlichen Verzahnung zu Heft 19 besteht eine der aus meiner Sicht wesentlichen Weiterentwicklungen indes darin, dass nun erstmals die im angelsächsischen Bereich seit langem üblichen “deliverables” als “Lieferobjekte” definiert und aufgenommen worden sind, anhand derer die vertragskonforme Leistungserbringung von Projektsteuerern nachprüfbar überwacht werden kann. So erfordert etwa die geschuldete “Mitwirkung beim Risikomanagement” (Projektstufe1, Handlungsbereich A) eine Risikoliste mit Risikobewertung und Empfehlungen. Liegt diese Liste nicht plausibel und schlüssig nachvollziehbar vor, ist die Mitwirkung beim Risikomanagement als unvollständig anzusehen. .weiterlesen ...

Behinderungsgrund: Corona

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) hat mit Erlass vom 23.03.2020 Vorgaben gemacht, wie auf den Baustellen des Bundes mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie umzugehen ist. Der Erlass entfaltet zwar keine bindende Wirkung für die Privatwirtschaft, kann aber auch dort Orientierung geben.

Grundsätzlich sollen Baustellen weiter betrieben werden, solange es keine ausdrücklichen Verbote gibt, die dem entgegenstehen. Die Sicherstellung des Gesundheitsschutzes der dort tätigen Personen obliegt dem Sicherheits- und Gesundheitskoordinator. .weiterlesen ...

Corona – verstehen, was zu tun ist

Sieht man einmal von den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen ab, die vom Corona-Virus auf unsere Bauprojekte ausgehen werden, hat dieser Beitrag eigentlich gar nichts auf dieser Website zu suchen. Andererseits liegt es in der Sachverständigen-DNA, auch komplizierteste Sachverhalte so erklärt haben zu wollen, dass die Zielgruppe sie verstehen kann.

Hier tun sich aus meiner Sicht aktuell zwei Video-Beiträge so deutlich hervor, dass sie zur Untermauerung der gestrigen Worte der Kanzlerin eigentlich auf den Titeln und Startseiten aller Medien dauerpräsent sein müssten: .weiterlesen ...

Gericht muss Privatgutachten berücksichtigen

Das Gebot rechtlichen Gehörs verpflichtet das Gericht, die Ausführungen der Prozessbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu ziehen. Geht das Gericht in seinen Entscheidungsgründen auf den wesentlichen Kern des Tatsachenvortrags einer Partei zu einer Frage nicht ein, die für das Verfahren von zentraler Bedeutung ist, lässt dies auf die Nichtberücksichtigung des Vortrags schließen, sofern er nicht nach dem Rechtsstandpunkt des Gerichts unerheblich oder aber offensichtlich unsubstantiiert war. .weiterlesen ...

Spiele stehen und fallen mit ihren Regeln – genau wie das Bauen

Der selbstbewusste und mutige Umgang mit steigenden Komplexitäten in unseren Projekten bildet den Schwerpunkt meines Beitrages zur Festschrift anlässlich des 65. Geburtstages von Prof. Klaus Eschenbruch. Wenngleich augenzwinkernd dargelegt, plädiere ich dafür, dem kontinuierlichen Komplexitätswachstum – und damit der Anzahl der Projektbeteiligten – Einhalt zu gebieten und verantwortungsvoll zu entscheiden, auf welche zusätzlichen Regeln künftig im Sinne des Projekterfolges besser verzichtet werden sollte.

Die Beibehaltung aussagekräftiger Projektbeteiligtenlisten trotz DSGVO ist ein schönes Beispiel dafür, dass grundsätzlich sowohl von der Notwendigkeit, als auch der Bereitschaft ausgegangen werden kann, angemessene Regelübertretungen im Sinne erfolgreicher Projekte zu riskieren.

Good Morning Lean! A wakeup call.

Auf Einladung des VDI-Verlags habe ich in der Jahresausgabe 2018/2019 Bautechnik der Zeitschrift “Bauingenieur” einen Beitrag zum Thema Lean Construction verfasst. Dabei habe ich deutlich vor überzogenen Erwartungen gewarnt:

Lean Construction ist insbesondere kein Projektverstärker, der wie eine schmackhafte Sauce schlecht laufende Projekte verfeinern, und ihre Performance verbessern kann. Lean Management ist eher – um im Bild zu bleiben – eine fein abgeschmeckte Rezeptur aus Kompetenz, Zusammenarbeit, Methoden, gesundem Menschenverstand, Vertrauen, Kultur, Mut, Ehrlichkeit, Change – und vor allem: aufrichtigem Wollen und entschlossenem Handeln.

Lean ist keine Raketenwissenschaft, sondern setzt vielmehr auf die Wiedererweckung des Verständnisses für kluges, sinnvolles, intelligentes und effizientes Handeln aller Beteiligten. Dabei geht es darum, Dinge, von denen man etwas versteht, möglichst einfach und zugleich richtig und gut zu machen. Lean-Methoden können insoweit Anregung bieten, eigenes Handeln zu reflektieren und zu verbessern. Lean ist aber sicherlich keine neue Leistung und insbesondere kein Turbo-Booster, der auf bestehende Organisationen oder Projekte aufgepfropft werden kann.

Ausdrücklich zu warnen ist insoweit vor den Gefahren, die von aktuellen Lean-Management-Modellen ausgehen können, wenn Lean-Berater in etablierte Verantwortlichkeiten von Planern oder bauausführende Firmen einzugreifen sollen. Kurzfristig führt das zu einer Diffusion und Verwischung von Verantwortlichkeiten, mittel- und langfristig kann dies Strukturveränderungen bewirken, wie einstmals die Herauslösung von Projektsteuerungsaufgaben aus der ursprünglich ganzheitlichen Wahrnehmung der Bauherreninteressen durch den Architekten.

Echte Bau-Kompetenz erscheint hier klar der bessere Weg. Bauherren, Lehre, Büros und Betriebe: Aufwachen! Es gibt viel zu tun!

Der vollständige Beitrag kann hier abgerufen werden.