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Neues Bauvertragsrecht

Haarschnitt und Hausbau haben eines gemeinsam: Es handelt sich um Werkverträge gemäß BGB. Ihre Unterschiedlichkeit legt aber nahe, daß gesetzliche Regelungen zum Haarschnitt nicht ausreichen können, um den komplexeren, teureren und länger laufenden Bauverträgen gleichermaßen gerecht zu werden.

Deshalb wurde bereits in den zwanziger Jahren die VOB/B aufgelegt, die das Zusammenspiel von Bauherr und Bauunternehmer in Bauverträgen regelt. Beide Seiten wirken seither gleichermaßen an der Entwicklung mit, weshalb die VOB/B in ganz besonderer Weise als sachgerecht und ausgewogen gilt. Die Regelungen der VOB/B können vertraglich vereinbart werden und ergänzen dann die ‑ wie dargestellt: unzureichenden ‑ gesetzlichen Regelungen. .weiterlesen ...

Fast alles richtig gemacht?

Schön ist sie geworden, die Elbphilharmonie. Und was hat sie nicht alles ertragen müssen, dieser Leuchtturm verlernten Bauens in Deutschland? Dabei hat Deutschland das Bauen gar nicht verlernt, es hat nur sein Wissen manchmal nicht eingesetzt. Entspre­chend enthält der im Juni 2015 vorgelegte Abschlußbericht der von der Bundesregierung eingesetzten Reformkom­mission für Großpro­jekte für Fachleute auch keine neuen Erkennt­nisse. Dafür schafft er aber insbesondere für Nicht-Fachleute einen neutralen, d. h. von Branchen-, Verbands- oder Politikinteressen unabhängigen breiten fachlichen Konsens: Wer sich an diese Spielregeln hält, der hat schon die wesentlichen Dinge richtig gemacht. .weiterlesen ...

Alternative Streitbeilegung leichter als gedacht

Der schnelle Blick in die „Streitlösungsordnung für das Bauwesen (SL Bau)“ zeigt komplexe Verfahren, Mustervereinbarungen und Musterverträge, die am besten bereits mit den Bauverträgen vereinbart werden sollten. Die fünf Hauptverfahren – Mediation, Schlichtung, Adjudikation, Schiedsgutachten und Schiedsgericht – sind ziemliche Schwergewichte, die eine Einstiegshürde gerade bei kleineren Projekten oder Streitigkeiten darstellen können.

Dabei beschränkt sich das Feld der Möglichkeiten gar nicht auf diese „big five“, es gibt auch niederschwellige „Einstiegsangebote“, die näher zu betrachten sich lohnt. Gemäß nachstehender Struktur (nach Ludolph/Oelsner in: 3. Kongress der DGA-Bau, März 2017) untergliedern sich die Verfahren zunächst in solche, die die Parteien ohne fremde Hilfe anwenden können und solche, bei denen sie sich von einem unabhängigen Streitbeileger unterstützen lassen. Letztere untergliedern sich weiter in „unverbindliche“ Verfahren, in denen sich die Parteien gewisser Maßen eine dritte Meinung einholen und solche, aus denen sich bereits rechtliche Ansprüche ableiten lassen. .weiterlesen ...

Gerichtsverfahren überschätzt

Vor Gericht und auf hoher See befinden wir uns bekanntlich in Gottes Hand. Weniger bekannt ist indes, daß knapp die Hälfte aller Bau-Gerichtsprozesse noch nicht einmal mit einem Urteilsspruch endet: Bei Vergleich, Versäumnisurteil, Anerkenntnis- bzw. Verzichtsurteil oder Erledigungserklärung (§91a ZPO) darf davon ausgegangen werden, daß die Parteien ihren Streit besser gleich untereinander gelöst hätten, wenn ihnen der Verfahrensausgang im vorhinein bekannt gewesen wäre.

(nach Haghsheno et. al. zum 2. Jahreskongreß der DGA-Bau 2016 in Berlin) .weiterlesen ...

Eine Frau neun Monate – neun Frauen ein Monat?

Termine, Kapazitäten und Logistik waren das Schwerpunkt-Thema der diesjährigen DVP-Herbsttagung. Was sind seriöse Termine, was läßt sich realistisch beschleunigen? Wo muß der Bauherr bestehende Zwänge einfach akzeptieren, um kein “postfaktisches Projektmanagement” zu betreiben? 

In ihren Kaufverträgen sagen  Automobilhersteller meist nur  voraussichtliche Liefer-Quartale zu, und das, obwohl Autos in einem Regelprozess produziert werden und ihre Lieferzeiten meist ohnehin nur Monate betragen. Je näher der Liefertermin rückt, umso genauer wird er präzisiert. Wenn es also schon in stationären Produktionsprozessen schwierig ist, verbindliche Termine zu benennen, was kann dann in über mehrere Jahre andauernden Bauprojekten realistisch zugesagt werden? .weiterlesen ...

Warum scheitern Großprojekte – immer wieder?

In etwa 450 m Höhe verleiht die geschlossene Wolkendecke in der aufgehenden Sonne den Wolkenkratzern Dubais eine besondere Mystik, die zum Nachdenken über Bauprojektmanagement anregt.

Der Burj Khalifa, von dem dieses Bild im Februar 2016 aufgenommen wurde, ist mit seinen 828 m das höchste Gebäude der Welt. Nach sechsjähriger Bauzeit wurde er Anfang 2010 eröffnet. Demgegenüber ist ein Eröffnungstermin des Berliner Flughafens BER auch 10 Jahre nach dem ersten Spatenstich noch nicht absehbar. Woran könnte das liegen? .weiterlesen ...

Bautagebuch – ein Formularbuch für die Baustelle

Nach ständiger Rechtsprechung kommt dem vom Objektüberwacher zu führenden Bautagebuch speziell bei Bau-Schäden und -Streitigkeiten eine wesentliche Schlüsselrolle zu. Dennoch gibt es mit Ausnahme von elektronischen Bautagebüchern kaum allgemeingültige, sofort vom Praktiker umsetzbare Vorgaben, die die inhaltlichen Anforderungen an ein Bautagebuch definieren. Im Ergebnis hängt die Qualität eines Bautagebuchs deshalb vor allem vom (Wohl-)Wollen, vom Können und von der Erfahrung des Objektüberwachers ab; insbesondere der Bauherr weiß vorher nicht, was er nachher bekommt. .weiterlesen ...

Streit vermeiden durch “Frühe Neutrale Beurteilung”

“Vielleicht hätte man gleich jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt” lautete einstmals der Werbeslogan für die Gelben Seiten.

Diese Aussage trifft in besonderer Weise auf Bau-Streitigkeiten zu, wie ich sie immer wieder in meiner gerichtlichen Tätigkeit erlebe. Deshalb setze ich mich für die Förderung der außergerichtlichen Streitbeilegung ein, sei es als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für außergerichtliche Streitbeilegung (DGA-Bau), oder mittels eines “Erklär-Flyers” zur “Frühen Neutralen Beurteilung”, die ich als Sachverständiger anbiete. .weiterlesen ...

Risikomanagement – Strategien aus verschiedenen Perspektiven

Am 11.05.2016 fand in Hamburg die Jahrestagung der 1. Wissenschaftlichen Vereinigung Projektmanagement zum Thema „Risikomanagement – Strategien aus verschiedenen Perspektiven“ statt. Die Perspektiven spannten vom Projektentwickler über die finanzierende Bank bis hin zum Generalunternehmer und enthielten darüber hinaus auch Spezialaspekte wie etwa solche der Gebäudegründung.

In der Projektpraxis wird Risikomanagement insbesondere von Architekten und Ingenieuren gerne als lästiger Formalismus empfunden, der primär der Befriedigung kaufmännisch-rechtlicher Prozesse und Systeme dient. Entsprechend halbherzig werden dann oft von den Technikern Risikolisten angelegt und mit den im Prinzip unbekannten Faktoren „Eintrittswahrscheinlichkeit“ und „Risikoaus­wirkung“ quantifiziert. Dieses eher lieblose Herangehen mag auch durch die berufsbildende Prägung erklärbar sein, wonach insbesondere der Ingenieur sich als genialer Problemlöser versteht und für ihn Kosten und Termine nur abgeleitete Größen des von ihm gelösten Problems darstellen. In diesem Fall verkennt der Ingenieur allerdings, daß sein Auftraggeber ein fertiges Werk bestellt hat, das einschließlich aller zu lösenden Probleme im Kosten- und Terminrahmen herzustellen ist. Das Risikomanagement ist demnach ein integraler und wesentlicher Erfolgsfaktor im Projektmanagement. .weiterlesen ...

Richtig aufgestellt im Projekt

Spätestens wenn Projekte beginnen aus dem Ruder zu laufen, stellt sich die Frage, ob der Steuermann über die notwendigen Erfahrungen hatte, das Projekt zu steuern. Idealer Weise erfolgt diese Auseinandersetzung jedoch gleich zu Projektbeginn, wenn es darum geht, die Führungsmannschaft aufzustellen. Dabei fällt es gar nicht so leicht, das Projekt in seinen relevanten Eigenschaften zu beurteilen.

Prof. Hans Lechner hat hierfür ein praxisorientiertes Bewertungsverfahren erarbeitet, das auch die Notwendigkeit dieser Auseinandersetzung anschaulich beschreibt: .weiterlesen ...